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Aktuelle wissenschaftliche Literatur
Diese Zusammenstellung gibt einen Überblick zu bekannt gewordenen und wegweisenden
Projekten im Sinne der Public Access Defibrillation (PAD), die in den vergangenen
Jahren in peer-reviewed Journals international publiziert wurden. Die Projekte
und Studien werden detailliert vorgestellt und diskutiert.
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Ort,Land Anwendungsbereich |
Anwenderkreis, Anwenderstufe |
Überlebensrate |
Rochester / USA Stadtgebiet |
Polizisten (zum Einsatz disponiert) A2 |
58% (31 Patienten mit VF) |
Melbourne / Australien Sportstadion |
Sanitätsdienst-Personal A1 |
71% (28 Patienten, alle initial VF) |
Las Vegas u.a. Städte/ USA Casinos |
Sicherheitspersonal A2 |
53% (105 Patienten mit VF) |
American Airlines / USA an Bord von Verkehrsflugzeugen; Terminal |
Flugbegleiter A2 |
55% (11 Patienten mit VF an Bord) |
Miami-Dade County / USA Landkreis |
Polizisten (zum Einsatz disponiert) A2 |
17% (Überlebensrate im historischen Vergleich 9% vs. 17% für 163 Patienten mit VF) |
| Piacenza / Italien Stadtgebiet |
Kombinationsprojekt mit div. Anwenderkreisen A1,A2,A3 |
44% (34 Patienten mit VF) |
| Chicago / USA Flughafengebäude |
Notfallzeugen (med. Laien und Flughafenpersonal) A2,A3 |
61% (18 Patienten mit beobachtetem Kollaps kardialer Genese und VF) |
Auswahl international publizierter PAD-Projekte (geordnet nach Publikationsdatum)
VF: „ventricular fibrillation“ – Kammerflimmern bzw. defibrillierbarer
Herzrhythmus (im weiteren Sinne)
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Details zu Rochester / USA Stadtgebiet
Ort,Land Anwendungsbereich |
Rochester / USA Stadtgebiet |
Anwenderkreis, Anwenderstufe |
Polizisten (zum Einsatz disponiert) A2 |
| Überlebensrate |
58% (31 Patienten mit VF) |
| Autor |
White RD, et al. |
| Titel |
High Discharge Survival Rate After Out-of-Hospital Ventricular Fibrillation With Rapid Defibrillation by Police and Paramedics |
| Literaturquelle |
Ann Emerg Med 1996; 28: 480 |
| Online-Journal |
http://www2.us.elsevierhealth.com |
| Level of Evidence |
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| Kommentar |
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Diese Publikation beschreibt eines der ersten, groß angelegten und publizierten
Projekte im Sinne der Public Access Defibrillation (PAD), das AED-Anwender einsetzt,
die bisher üblicherweise nicht in medizinische Hilfeleistungssysteme integriert
waren. Als so genannte Non-traditional responder wurden seit 1990 Polizeibeamte
des Rochester Police Department ausgebildet und parallel zum Rettungsdienst zu
medizinischen Notfällen disponiert.
In die Untersuchung eingeschlossen wurden alle erwachsenen Patienten, die
mit einem nicht-traumatischen Herz–Kreislauf-Stillstand und Kammerflimmern
durch die Polizei-First-Responder und den Rettungsdienst (n=31) bzw. durch
den Rettungsdienst alleine (n=53) behandelt wurden. Von den insgesamt 84 Patienten überlebten
41 bis zur Entlassung nach Hause.
58% der Patienten (n=18), die zunächst durch Polizeibeamte defibrilliert
wurden, überlebten bei einem Zeitintervall zwischen Notrufeingang und
Defibrillation von 5,6 Minuten im Median. In der Gruppe der Patienten, die
nur durch den Rettungsdienst behandelt wurden, überleben 43% (n=23), wobei
hier das Zeitintervall bis zur ersten Defibrillation mit 6,3 Minuten im Median
nur geringfügig länger war.
Bereits diese Arbeit kann zeigen, dass Patienten mit einem kurzen therapiefreien
Intervall häufig nur der Defibrillation ohne erweiterte Reanimationsmaßnahmen
bedürfen. Von den 31 Patienten, die durch die Polizei-First-Responder
behandelt wurden, erlangten 13 eine Wiederkehr der spontanen Kreislauffunktion
nur durch die Basismaßnahmen inklusive der Defibrillation - alle diese
Patienten überlebten. Von den 53 Patienten die durch den Rettungsdienst
zuerst defibrilliert werden, haben vergleichsweise nur 15 Patienten eine
Wiederherstellung der Kreislauffunktion durch die Defibrillation allein.
Erstaunlich erscheinen die unterschiedlichen Überlebensraten in Anbetracht
des nur geringen Zeitgewinnes durch den Einsatz dieses zusätzlichen Gliedes
im Hilfeleistungssystem. Bereits hier zeigt sich, im Hinblick auf eine Kosten-Nutzen-Analyse
von Programmen im Sinne der Public Access Defibrillation, dass nicht nur die
mögliche Steigerung der Überlebensrate betrachtet werden muss, sondern
auch der potentiell reduzierte Bedarf an kosten- und zeitintensiven erweiterten
präklinischen sowie intensivtherapeutischen Maßnahmen während
der frühen Krankenhausbehandlung.
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Details zu Melbourne / Australien Sportstadion
Ort,Land Anwendungsbereich |
Melbourne / Australien Sportstadion |
Anwenderkreis, Anwenderstufe |
Sanitätsdienst-Personal A1 |
| Überlebensrate |
71% (28 Patienten, alle initial VF) |
| Autor |
Wassertheil J, et al. |
| Titel |
Cardiac arrest outcomes at the Melbourne Cricket Ground and Shrine of Remembrance using a tiered response strategy-a forerunner to public access defibrillation |
| Literaturquelle |
Resuscitation 2000; 44: 97 |
| Online-Journal |
http://www.elsevier.nl |
| Level of Evidence |
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| Kommentar |
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Diese retrospektive Untersuchung berichtet über das Hilfeleistungssystem
und die Reanimationsfälle in einem Sportstadion bzw. bei Großveranstaltungen
in Melbourne.
Das unserem Sanitätsdienst vergleichbare Hilfeleistungssystem wird dort
in erster Linie durch St. John Ambulance Australia sichergestellt. In diesem
drei-gestaffelten System haben zunächst bis 1994 Rettungsdienst- und Pflegepersonal
manuelle Defibrillatoren angewandt; mit Verbreitung von automatisierten externen
Defibrillatoren wurde auch Personal, das von der Qualifikation dem deutschen
Sanitätshelfer entsprechen dürfte, zum Einsatz gebracht.
Daneben bestanden als erstes Glied dieser Versorgungskette „basic life
support units“ (Helfer, die CPR inklusive Sauerstofftherapie leisten) und
Notarzt-Teams.
Zwischen 1989 und 1997 ereigneten sich bei Großveranstaltungen insgesamt
28 Fälle eines Herz-Kreislauf-Stillstandes. Hierbei konnten 24 dieser
Patienten zunächst erfolgreich reanimiert und in ein Krankenhaus eingeliefert
werden. Nach Hause entlassen wurden letztendlich 20 der 28 Patienten (71%).
25 Patienten wurden durch Einsatzkräfte von St. John Ambulance defibrilliert
(drei durch den Rettungsdienst), wobei die Konversionsrate durch die ersten
drei Defibrillationsversuche bei vergleichsweise nur 64% lag (n=16). Insgesamt
wurden 23 der 25 Patienten erfolgreich defibrilliert, bei zwei Patienten kam
es zu einer Konversion in eine Asystolie.
Die Überlebensrate von rund 70% in dieser Arbeit erscheint auch unter
Berücksichtigung der vergleichsweise kleinen Patientenzahl und dadurch
bedingten Streuung sehr hoch. Diese Publikation ist auch – nicht zuletzt
wegen Ihrer eher schwachen methodischen Grundlage - durchaus kontrovers diskutiert
worden. Unter anderem wurde hier die fehlende Dokumentation des EKG-Befundes
vor Schockabgabe bei Anwendung manueller Defibrillatoren kritisiert. Dies lässt
die theoretische Möglichkeit offen, dass Patienten, die nicht tatsächlich
einen Herz-Kreislauf-Stillstand und Kammerflimmern aufgewiesen haben, trotzdem
der entsprechenden Therapie zugeführt wurden und diese überlebt haben.
Trotzdem ist diese Kohortenstudie ein wichtiger Beitrag, da es kaum Untersuchungen
zur Inzidenz und zur Überlebensrate von Patienten mit Herz-Kreislauf-Stillstand
im Rahmen von großen öffentlichen Veranstaltungen gibt. Sie zeigt
trotz möglicher methodischer Unschärfen, dass eine große Zahl
von Patienten mit plötzlichen Herztod unter derartigen Umständen
potentiell rettbar erscheinen.
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Details zu Las Vegas u.a. Städte/ USA Casinos
Ort,Land Anwendungsbereich |
Las Vegas u.a. Städte/ USA Casinos |
Anwenderkreis, Anwenderstufe |
Sicherheitspersonal A2 |
| Überlebensrate |
53% (105 Patienten mit VF) |
| Autor |
Valenzuela TD, et al. |
| Titel |
Outcomes of Rapid Defibrillation by Security Officers after Cardiac Arrest in Casinos |
| Literaturquelle |
New Engl J Med 2000; 343: 1206 |
| Online-Journal |
http://content.nejm.org/ |
| Level of Evidence |
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| Kommentar |
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Einen besonderen Stellenwert hat das PAD-Programm erlangt, im Rahmen dessen Sicherheitspersonal
in amerikanischen Casinos als AED-Anwender eingesetzt wurde.
Zum einen zeichnet sich dieses Projekt durch eine vergleichsweise hohe Fallzahl
von insgesamt 148 Patienten mit Herz-Kreislauf-Stillstand aus, zum anderen weist
dieses PAD-Programm einen interessanten wissenschaftlichen Aspekt auf: durch die
Kameraüberwachung in weiten Teilen der Casinos konnte bei einem Großteil
der Patienten eine exakte Analyse insbesondere der Zeitintervalle vom Kollaps
des Patienten bis zum Einsetzen einzelner Therapieaßnahmen
(z. B. Beginn der Basisreanimation, Defibrillation) durch- geführt werden.
Von den 105 Patienten, die initial ein Kammerflimmern aufwiesen, überlebten
56 (53%) bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus. 90 Patienten erlitten einen
beobachteten Herz-Kreislauf-Stillstand mit Kammerflimmern: bei diesen Patienten
vergingen im Median 2,9 Minuten bis zum Beginn der Basisreanimation, 3,5 Minuten
bis zum Anbringen des AED und 4,4 Minuten bis zur ersten Defibrillation.
In einer Subgruppenanalyse wurden jene Patienten betrachtet, die einen beobachteten
Herz-Kreislaufstillstand mit Kammerflimmern erlitten und die innerhalb von 3
Minuten nach Kollaps defibrilliert werden konnten. Von diesen 35 Patienten
überlebten 26 (74%) bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus.
Auch wenn derart kurze Zeitintervalle vom Eintreten des Kammerflimmerns bis
zur lebensrettenden Defibrillation selbst im Rahmen von AED/PAD-Programmen nur
für ausgewählte und sehr kleine Patientenkollektive realisierbar sein
werden, geben diese Ergebnisse einen wichtigen Hinweis, welch hoher Anteil von
Patienten mit plötzlichen Herztod potentiell wiederbelebbar ist.
Darüber hinaus stellt dieses Projekt eine wichtige Hilfestellung dar, wie
Einsatzstrategien im Rahmen von AED/PAD-Programmen geplant werden sollten,
um Patienten tatsächlich innerhalb dieser engen Zeitgrenzen erreichen und
ggf. defibrillieren zu können.
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Details zu American Airlines / USA an Bord von Verkehrsflugzeugen; Terminal
Ort,Land Anwendungsbereich |
American Airlines / USA an Bord von Verkehrsflugzeugen; Terminal |
Anwenderkreis, Anwenderstufe |
Flugbegleiter A2 |
| Überlebensrate |
55% (11 Patienten mit VF an Bord) |
| Autor |
Page RL, et al. |
| Titel |
Use of Automated External Defibrillators by a U.S. Airline |
| Literaturquelle |
New Engl J Med 2000; 343: 1210 |
| Online-Journal |
http://content.nejm.org/ |
| Level of Evidence |
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| Kommentar |
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Die Ausstattung von Verkehrsflugzeugen mit automatisierten externen Defibrillatoren
ist mittlerweile von der überwiegenden Zahl der großen Fluggesellschaften
realisiert worden. Bereits 1991 begann beispielsweise „Qantas Airways“
(Australien) mit einem derartigen „cardiac arrest program“ (Circulation
1997- 96: 2849).
Das PAD-Programm von „American Airlines“ (USA), im Rahmen dessen
alle 24.000 Flugbegleiter der Gesellschaft ausgebildet wurden, entstand 1997
und wurde 2000 publiziert.
Eine Benutzung der AEDs erfolgte im Beobachtungszeitraum bei insgesamt 200 Patienten
– weit überwiegend zum Zweck der EKG-Überwachung in Zusammenarbeit
mit einem zufällig an Bord befindlichen Arzt. In einigen Fällen kamen
die Geräte auch bei Notfallsituationen zum Einsatz, die sich nicht im Flugzeug
selbst sondern im Flughafengebäude in der Nähe eines am Terminal
stehenden Flugzeuges ereigneten.
Insgesamt lag bei 36 Patienten ein Herz-Kreislauf-Stillstand vor. 15 Patienten
wurden defibrilliert, wobei bei von 13 Patienten das aufgezeichnete EKG auch
dokumentiert und anschließend ausgewertet werden konnte. Die Kardioversionsrate
für den ersten Defibrillationsversuch lag für diese Patienten bei
100%.
Von den 11 Patienten, die an Bord eines Flugzeuges einen Herz-Kreislauf-Stillstand
mit Kammerflimmern erlitten und defibrilliert wurden, überlebten 6 (55%)
bis zur neurologisch intakten Entlassung nach Hause.
Auch diese PAD-Programm weißt einige interessante Aspekte auf. Trotz
des anzunehmenden kurzen Zeitintervalls (vornehmlich in der Kabine eines Flugzeuges)
vom Eintritt des Herz-Kreislauf-Stillstandes bis zur Rhythmusanalyse durch den
AED ist der Anteil an Patienten, die initial ein Kammerflimmern aufgewiesen
haben, vergleichsweise gering (44%). Möglicherweise ist die Pathophysiologie
des Herz-Kreislauf-Stillstandes an Bord eines Flugzeuges häufiger ein anderer
als beim „plötzlichen Herztod“ in anderen Umgebungen.
Die respektable Überlebensrate im Rahmen dieses PAD-Programmes muss auch
unter dem Aspekt gesehen werden, dass bei der überwiegenden Zahl der Patienten
ein vergleichsweise langes Intervall zwischen den Erste-Hilfe-Maßnahmen
durch die Flugbegleiter und dem Beginn erweiterter notfallmedizinischer Maßnahmen
durch den Rettungsdienst angenommen werden muss. Auch wenn dies in der Publikation
so nicht beschrieben wird, stehen dem Patienten nach initial erfolgreicher Defibrillation
bis nach der Landung des Flugzeugs und der Übernahme durch den Rettungsdienst
wohl nur sehr eingeschränkte medizinische Ressourcen zur Verfügung.
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Details zu Miami-Dade County / USA Landkreis
Ort,Land Anwendungsbereich |
Miami-Dade County / USA Landkreis |
Anwenderkreis, Anwenderstufe |
Polizisten (zum Einsatz disponiert) A2 |
| Überlebensrate |
17% (Überlebensrate im historischen Vergleich 9% vs. 17% für 163 Patienten mit VF) |
| Autor |
Myerburg RJ, et al. |
| Titel |
Impact of Community-Wide Police Car Deployment of Automated External Defibrillators on Survival From Out-of-Hospital Cardiac Arrest |
| Literaturquelle |
Circulation 2002; 106: 1058 |
| Online-Journal |
http://circ.ahajournals.org/ |
| Level of Evidence |
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| Kommentar |
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Im Rahmen dieses PAD-Programmes wurde die Polizei eines gesamten Landkreises
als „Nontraditional Responder“ eingesetzt. Über fünf
Monate erhielten insgesamt 1.900 Polizeibeamte je ein vierstündiges Training.
Die Etablierung des Programms erfolgte zeitlich gestaffelt über die neun
Polizeidienststellen-Bereiche.
In der Publikation werden die Ergebnisse vor und nach Etablierung dieses zusätzlichen
Hilfeleistungssystems – bezogen auf den jeweiligen Polizeidienststellen-Bereich
- verglichen. In dem historischen Vergleichskollektiv wurden 318 Reanimationspatienten
nur durch den Rettungsdienst versorgt, ab Februar 1999 wurden 420 Patienten
durch Polizei und Rettungsdienst gemeinsam reanimiert.
Für Patienten mit einem defibrillierbaren Rhythmus konnte die Überlebensrate
von 9,0% auf 17% gesteigert werden. Bemerkenswert ist jedoch, dass in beiden
Kollektiven nur 39% bzw. 38% der Patienten initial einen defibrillierbaren Rhythmus
aufgewiesen haben, so dass sich die Überlebensrate der beiden Studienkollektive
insgesamt nur um 1,6% unterscheidet (7,6% mit AED-Anwendung durch die Polizei
gegenüber 6,0% ohne).
Interessant stellt sich die Auswirkung dieses Projektes
auf die Reaktionsintervalle („Notrufeingang“ bis „Fahrzeug
stoppt“; jeweils im Median) dar:
Rettungsdienst 7,6 min., Polizei 6,2 min.; daraus ergibt sich eine Reduktion
des Reaktionsintervalls für das ersteintreffende Rettungsmittel auf
nur 4,9 min. (in 56% der Fälle erreichte die Polizei den Einsatzort
zuerst).
Dabei ist anzumerken, dass das Reaktionsintervall der Polizei zu nicht-medizinischen
Notfällen mit 4,2 min. (Median) deutlich kürzer ist, als das
zu medizinischen Notfällen. Dieser Umstand lässt mehrere Interpretationsmöglichkeiten
offen. Möglicherweise jedoch ist das langsamere Antwortverhalten
auch in der emotionalen Einstellung der Beteiligten begründet. Das
Maß an Bereitschaft zur Hilfeleistung bzw. mögliche Vor-behalte
gegenüber einer medizinischen Tätigkeit sollten als Co-Faktoren
für den Erfolg eines AED/PAD-Programms nicht unterschätzt werden.
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Details zu Piacenza / Italien Stadtgebiet
Ort,Land Anwendungsbereich |
Piacenza / Italien Stadtgebiet |
Anwenderkreis, Anwenderstufe |
Kombinationsprojekt mit div. Anwenderkreisen A1,A2,A3 |
| Überlebensrate |
44% (34 Patienten mit VF) |
| Autor |
Capucci A, et al. |
| Titel |
Tripling Survival From Sudden Cardiac Arrest Via Early Defibrillation Without Traditional Education in Cardiopulmonary Resuscitation |
| Literaturquelle |
Circulation 2002; 106: 1065 |
| Online-Journal |
http://circ.ahajournals.org/ |
| Level of Evidence |
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| Kommentar |
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Diese Publikation beschreibt ein Projekt aus Piacenza/Italien, das unterschiedliche
Anwenderkreise bzw. -stufen zur Verkürzung des Zeitintervalls bis zur Defibrillation
nutzt.
Im Rahmen des „Piacenza Progetto Vita“ (PPV) wurden insgesamt 39
automatisierte externe Defibrillatoren eingesetzt: 12 Geräte wurden im
Sinne eines „fire extinguisher approach“ an öffentlichen Plätzen
installiert, 12 Geräte in Ambulanzfahrzeugen, die von medizinischen Laien
besetzt werden und 15 Geräte in Streifenwagen der Polizei. Insgesamt wurden
knapp 1.300 medizinische Laien als Freiwillige in der Anwendung von AEDs trainiert,
ohne dabei eine herkömmliche Ausbildung in der Technik der Ba-sisreanimation
durchzuführen. Die Freiwilligen wurden zu allen Fällen eines bewusstlosen
Patienten zusammen mit dem herkömmlichen Rettungsdienst disponiert.
Innerhalb von 22 Monaten ereigneten sich 354 Fälle eines außerklinischen
plötzlichen Herztodes, wobei in 143 Fällen (40%) Freiwillige des PPV
den Patienten vor Eintreffen des Rettungsdienstes erreichten und versorgten.
Die Überlebensrate aller 354 Patienten betrug 6,2%.
Im Folgenden werden die Patienten, die zunächst durch AED-Anwender des
PPV versorgt wurden, mit jenen verglichen, die nur durch den Rettungsdienst
behandelt wurden. Die insgesamte Überlebensrate ist bis zur Krankenhausentlassung
konnte durch die Intervention des PPV von 3,3 % auf 11% rund verdreifacht werden.
Die Überlebensrate für die Subgruppe jener Patienten, die initial
einen defibrillierbaren Rhythmus aufwiesen, wurde von 21% (7 von 33 Patienten)
auf 44% (15 von 34 Pa-tienten) gesteigert.
Von besonderem Interesse an diesem PAD-Projekt ist die Tatsache, dass für
die Teil-nehmer an dem PPV kein klassisches Training in den Basismaßnahmen
der Reanimation durchgeführt wurde. Dies wird möglicherweise die
Diskussion um „Wie viel Basisreanimation muss der AED-Anwender erlernen
und können?“ weiter entfachen.
Auffällig ist weiterhin, dass keiner der öffentlich platzierten AEDs
während der gesamten Studienphase zur Anwendung kam.
Helfer des PPV wurden insgesamt zu 366 Einsätzen disponiert, wobei in 39%
der Einsätze auch tatsächlich eine Reanimationssituation vorlag,
was eine vergleichsweise hohe Spezifivität für die Erkennung von plötzlichen-Herztod-Ereignissen
durch die Leitstellendisponenten widerspiegelt.
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Details zu Chicago / USA Flughafengebäude
Ort,Land Anwendungsbereich |
Chicago / USA Flughafengebäude |
Anwenderkreis, Anwenderstufe |
Notfallzeugen (med. Laien und Flughafenpersonal) A2,A3 |
| Überlebensrate |
61% (18 Patienten mit beobachtetem Kollaps kardialer Genese und VF) |
| Autor |
Caffrey SL, et al. |
| Titel |
Public Use of Automated External Defibrillators |
| Literaturquelle |
N Engl J Med 2002; 347: 1242 |
| Online-Journal |
http://content.nejm.org/ |
| Level of Evidence |
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| Kommentar |
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Das PAD-Programm der Chicagoer Flughäfen ist das wohl bekannteste und mit
aussagekräftigen Zahlen publizierte Programm im Sinne eines „Fire
Extinguisher Approach“.
Insgesamt 70 automatisierte externe Defibrillatoren (AED) wurden zwischen 1999
und 2001 auf den drei Chicagoer Flughäfen frei zugänglich für
jeden Notfallzeugen installiert. Etwa 3.000 der 44.000 Angestellten der Flughäfen
erhielten als targeted responder ein Training in Basisreanimation und AED-Anwendung.
Um auch den zufälligen Notfallzeugen zur AED-Anwendung zu motivieren, wurde
das Projekt sehr intensiv beworben. Hierzu wurden u.a. je dreiminütige Filmbeiträge
alle halbe Stunde über die Monitore in den Wartebereichen der Terminals
gezeigt und Informationsblätter an Fluggäste direkt und die Fluggesellschaften
ausgegeben.
Während der dreijährigen prospektiven Beobachtungsstudie kam es
zu 26 Anwendungen der AED-Geräte, wobei 22 Patienten tatsächlich
einen Herz-Kreislauf- Stillstand aufwiesen. Hiervon zeigten 20 Patienten einen
Herz-Kreislauf-Stillstand, der beobachtet war und eine kardiale Genese hatte
- 18 dieser Patienten wiesen initial ein Kammerflimmern auf.
11 der 18 Patienten überlebten dieses Ereignis ohne neurologisches Defizit
(61%). Nach einem Jahr lebten noch 10 Patienten. Sechs Patienten erlangten
das Bewusstsein bereits vor Aufnahme im Krankenhaus wieder, zwei weitere in
der Notaufnahme, so dass diese nicht intubiert und beatmet werden mussten.
Besonders anzumerken ist neben vielen weiteren, interessanten Aspekten dieses
herausragenden Programmes, dass bei sechs der elf überlebenden Patienten
der AED-Anwender echter „Notfallzeuge“ war und niemals vorher
ein solches Gerät bedient hatte oder in der Anwendung in trainiert gewesen
wäre; drei der Anwender waren allerdings Ärzte.
Ein weiterer interessanter Aspekt dieser Initiative ist, dass der Versuch einer
Kosten-Nutzen-Analyse im Rahmen der Publikation ergibt, dass ein Betrag von
7.000 Dollar pro geretteten Leben durch die Kosten des Programmes kalkuliert
werden kann.
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