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Klassen der Empfehlungen in den aktuellen internationalen Leitlinien

1992 wurde auf der nationalen Konferenz über „cardiopulmonary resuscitation and emergency cardiac care“ (Reanimation und kardiologische Notfallversorgung) in den Vereinigten Staaten erstmalig eine Klassifizierung der Maßnahmen für diesen Bereich eingeführt.
Diese Klassifikation beruhte streng auf den Kriterien und Normen der erkenntnisbasierten Medizin (EBM). In den Leitlinien 2000 wurde diese Klassifizierung insbesondere um die „class indeterminate“ erweitert, und die einzelnen Klassen wurden detaillierter erläutert. Damit standen erstmals international einheitliche, auf einer ausführlichen wissenschaftlichen Analyse basierende Empfehlungen für die Reanimation zur Verfügung.

Die Klasse „Indeterminate“ wurde für Maßnahmen eingeführt, die ihren Stellenwert in der Behandlung des Herz-Kreislauf-Stillstandes insbesondere historisch gewonnen haben, deren Wirksamkeit aber nicht nach den Evidenzkriterien der bisherigen drei Klassen einzuordnen ist.
Dies bedeutet nicht, dass Maßnahmen, die in diese Empfehlungsklasse eingeordnet sind, „besser“ oder „schlechter“ wären als Maßnahmen der Klassen 2 oder 3 – ein solcher Vergleich wäre irreführend.

Dieses Dokument ist eine Übersetzung der in den Leitlinien 2000 (Circulation 2000; 102) enthaltenen Tabelle zur Erläuterung der Empfehlungsklassen.
Klassen der Empfehlungen in den internationalen Leitlinien
Evidenzniveau Empfehlungsklasse nach Experten-Konsensus Interpretation der Empfehlungsklasse im klinischen Alltag
Minimale Anforderungen für eine Empfehlung der Klasse I:
  • Evidenzniveau: eine oder mehrere randomisierte klinische Studien
  • Ergebnis der kritischen Betrachtung: hervorragend
  • Ergebnisse: homogen, reproduzierbar positiv, unempfindlich gegenüber äusseren Einflüssen
Klasse I:
hervorragend, unbedingt empfehlenswert


durch hervorragende Evidenz gestützt, Wirkung und Wirksamkeit bewiesen
Klasse-I-Maßnahmen sind immer anwendbar, sicher und auf jeden Fall hilfreich.
Minimale Anforderungen für eine Empfehlung der Klasse IIa:

  • Evidenzniveau: hoch
  • Anzahl der Studien: mehrere
  • Ergebnis der kritischen Betrachtung: gut bis sehr gut
  • Tendenz der Evidenz/ Expertenmeinung: stärker für Durchführung der Handlung als in Klasse IIb
  • Anzahl der Langzeitergebnisse: mehr als in Klasse IIb
  • Ergebnisse: positiv in der Mehrzahl der Studien
  • beobachtete Wirkung: besser als in Klasse IIb
Klasse IIa:
gut bis sehr gut, „Therapie der Wahl“ akzeptabel und sinnvoll


gutes bis sehr gutes Evidenzniveau
Klasse-IIa-Maßnahmen sind akzeptabel, sicher und sinnvoll

  • „standard of care“. Ärzte können diese Therapie anwenden.
  • von vielen Experten als „Therapie der Wahl“ klassifiziert
  • werden durch die AHA unterstützt in Form von Trainings- veranstaltungen, Lehrmaterial, usw.
Kontextfaktoren (siehe Fußnote) können eine Maßnahme der Klasse IIa in einem gewissen Zusammenhang zuordnen und der Klasse IIb in einem anderen.
Minimale Anforderungen für eine Empfehlung der Klasse IIb:

  • Evidenzniveau: mittel bis gut
  • Anzahl der Studien: wenige
  • Ergebnis der kritischen Betrachtung: mäßig bis schlecht
  • Tendenz der Evidenz/ Expertenmeinung: geringere Tendenz zur Nützlichkeit/ Wirksamkeit der Maßnahme
  • Ergebnisse: meistens, nicht immer, positiv
Klasse IIb:
mittel bis gut, „Therapieoption“ akzeptabel und sinnvoll


mäßiges bis gutes Evidenzniveau

Kontextfaktoren (siehe Fußnote) sollten nicht als Argumente verwendet werden, die Kosten für die Einführung neuer aber gut wirksamer Maßnahmen zu sparen.
Klasse-IIb-Maßnahmen sind akzeptabel, sicher und sinnvoll

  • Innerhalb des „standard of care“. Ärzte können diese Therapie anwenden.
  • von vielen Experten als „Therapieoption“ oder „alternative Therapie“ klassifiziert
Evidenz existiert, jedoch weisen die durchgeführten Studien einige Schwachpunkte auf

  • Vielversprechend, aber geringe Wirkung
  • Beziehen nicht relevante klinische Endpunkte ein
  • Sind inkonsistent, schlecht durchgeführt oder haben sich widersprechende Ergebnisse
  • Können große Wirkungen aufzeigen, berichten aber sich widersprechende Ergebnisse
Klasse „unbestimmbar“:
vorläufiges Stadium während Forschungsarbeiten


  • Die zur Zeit verfügbare Evidenz reicht nicht aus, um die Maßnahme definitv einer Klasse zuzuordnen
  • Ergebnisse sind vielversprechend, es werden aber weitere Ergebnisse benötigt
  • Die Evidenz zeigt die Unschädlichkeit der Maßnahme, erbringt jedoch nicht den Beweis der Nützlichkeit
  • Bis zum Vorliegen weiterer Evidenz wird keine Empfehlung ausgesprochen.
Maßnahmen der Klasse „unbestimmbar“ können weiterhin empfohlen werden. Es muß jedoch berücksichtigt werden, daß der aktuelle Wissensstand nicht ausreicht, um eine definitive Klassenzuordnung vorzunehmen.

Die Klasse „unbestimmbar“ sollte nicht verwendet werden, um Strittigkeiten unter Expertengruppen zu lösen, wo genügend Evidenz vorhanden ist, jedoch die Interpretation der Daten noch strittig ist. Die Klasse „unbestimmbar“ soll vielversprechenden Maßnahmen vorbehalten bleiben.
Evidenz über Wirksamkeit fehlt vollständig

oder

Evidenz weist deutlich hin auf oder beweist Schädlichkeit
Klasse III:
nicht akzeptabel, nicht wirksam und möglicherweise schädlich
Maßnahmen werden der Klasse III zugeordnet, wenn die Evidenz für deren Wirksamkeit vollständig fehlt oder wenn Studien die Schädlichkeit der Maßnahme nahelegen oder beweisen.
Kontextfaktoren:
Zusätzlich zu dem Evidenzniveau, gehen folgende Faktoren in die endgültige Zuordnung einer Maßnahme in eine bestimmte Klasse ein: geringer erwarteter Nutzen, hohe Kosten, Schwierigkeiten in Schulung und Training, große Schwierigkeiten bei der großflächigen Einführung sowie unpraktische, ungünstige Kosten-Nutzen-Verhältnisse.
Autor/Quelle:
Redaktion
AED-Bayern Online
 
erstellt am: 03.06.2003
zuletzt aktualisiert: 09.07.2003
 
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