Der Erkenntnisgrad wissenschaftlicher Aussagen |
Die Redaktion „AED-Bayern Online“ legt sehr viel Wert auf eine nachvollziehbar
objektive und auf wissenschaftlichen Daten basierende Informationsbereitstellung
im Rahmen dieses Servers.
Es existieren jedoch noch nicht zu allen Punkten und
Detailfragen rund um den Themenkomplex „Public Access Defibrillation“
– wie auch in anderen Bereichen der Medizin - gesicherte wissenschaftliche
Aussagen und Erkenntnisse. Deshalb erscheint es uns wichtig, für Sie als
Nutzer dieses Informationsangebotes, die Qualität einzelner Aussagen und
deren tatsächlichen Erkenntnisgrad leicht erkennbar und objektivierbar darzustellen.
Hierfür sind Symbole (Ikons) definiert, die in der Marginalie der Texte stehen.
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Grundlage dieser Einteilung ist der sogen. „Level of Evidence“,
wie er für die Bewertung medizinischer Studien nach den Grundlagen der
„erkenntnisbasierten Medizin“ (EBM) angewandt wird und auch bei
der Zusammenstellung der Leitlinien für die Cardiopulmonale Reanimation
genutzt worden ist (Circulation 2000; 102). Danach werden medizinische Studien
nach ihrer methodischen Qualität in acht Kategorien eingeordnet. Diese
Qualitätseinschätzung des wissenschaftlichen Nachweises bestimmt dann
den Grad einer Empfehlung, wie es beispielsweise auch in den oben genannten
Leitlinien vorgenommen wird.
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Aussagen, die auf Studien und Informationsquellen beruhen, die diesen Kriterien
Stand halten, sind mit einem solchen Symbol (Ikon) gekennzeichnet.
Innerhalb der Evidenzhierarchie werden die Klassifizierungsstufen durch die
entsprechende Zahl im Ikon wiedergeben (einer der acht „Level of Evidence“).








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Daneben werden Aussagen, die lediglich eine überwiegend angewandte Praxis
wiedergeben oder auf Meinung der Redaktion beruhen, gesondert kenntlich gemacht.
Dieses Ikon soll verdeutlichen, dass für die jeweilige Aussage (noch) keine
gesicherte wissenschaftliche Grundlage besteht.
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In gleicher Weise wird auch mit Beiträgen von externen Autoren im Rahmen
des AED-Servers verfahren. Wenn diese eine Expertenmeinung widerspiegeln, wird
das durch dieses Ikon verdeutlicht. |
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Level 1
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Statistisch signifikante randomisierte kontrollierte Studien oder Metaanalysen mit statistisch signifikanten Ergebnissen |
Metaanalysen von vielen randomisierten kontrollierten Studien mit homogenen und statistisch signifikanten Therapieeffekten oder mit heterogen Ergebnissen, die aber insgesamt statistisch noch signifikant sind |
Level 2
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Statistisch nicht signifikante randomisierte kontrollierte Studien oder Metaanalysen; statistisch nicht signifikante Metaanalysen von inkonsistenten randomisierten kontrollierten Studien |
Metaanalysen von vielen randomisierten kontrollierten Studien mit konsistenten Therapieeffekten in den einzelnen Studien, die aber statistisch nicht signifikant sind; Metaanalysen von vielen randomisierten kontrollierten Studien mit heterogenen und statistisch nicht signifikanten Therapieeffekten |
Level 3
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Prospektive, kontrollierte, aber nicht randomisierte Kohortenstudien |
Prospektive Studie an einer Kohorte von Patienten, die in Bezug auf die Intervention nicht randomisiert sind; die Untersucher versuchen gewöhnlich eine gleichzeitig behandelte Kontrollgruppe oder eine Vergleichsgruppe zu etablieren |
Level 4
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Historische, nicht randomisierte Kohorten oder Fall-Kontroll-Studien |
Historische, nicht randomisierte Kohortenstudien; retrospektive Studien oder Beobachtungsstudien; die Untersucher versuchen eine Kontroll- oder Vergleichsgruppe anzubieten |
Level 5
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Verlaufsstudien an Patienten |
Studien, in die Patienten entweder prospektiv oder retrospektiv in auf einander folgender Reihenfolge eingeschlossen und die Effekte einer Intervention beobachtet werden; keine Kontrollgruppe |
Level 6
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Tierexperimentelle Studien und mechanistische Modellstudien |
Tierexperimentelle oder mechanistische Modellstudien |
Level 7
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Vernünftige Extrapolation von existierenden Daten; quasi-experimentelles Design |
Vernünftige Extrapolation bei quasi experimentellem Design oder von existierenden Daten, die für andere Zwecke gesammelt wurden |
Level 8
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Rationale Vermutung (allgemeiner Glaube); historische Akzeptanz als Standard-Praxis |
Die Praxis stimmt mit dem allgemeinen Gefühl überein oder besitzt augenscheinlich Gültigkeit. Als Standardpraxis überliefert vor den Erfordernissen für wissenschaftlich gesicherte Empfehlungen (EBM); keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse um eine Veränderung zu unterstützen; keine Hinweise für eine negative Wirkung |
Klassifizierung des „Level of Evidence“ nach American Heart Association (AHA)
Modifiziert nach: W.F. Dick: Evidence based emergency medicine. Anaesthesist 1998; 47: 957
und Circulation 2000; 102: I-4
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Die Übersicht zum Erkenntnisgrad wissenschaftlicher Aussagen können Sie als
PDF downloaden.
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Weiterführende Literatur zum Thema „Evidence based medicine“
und „Leitlinien in der Notfallmedizin“
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C. K. Lackner , U. M. Lewan , R. Kerkmann , K. Peter:
Evidence based medicine. Bedeutung für die Notfallmedizin in Forschung
und Praxis.
Notfall&Rettungsmedizin 1998; 1: 228
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Zum Thema:
Seit einigen Jahren zieht das Konzept der "evidence based medicine"
die Aufmerksamkeit der medizinischen Disziplinen und wissenschaftlichen Fachgesellschaften
in immer stärkerem Maß auf sich.
Evidence-based-medicine, kurz EBM, bemüht sich um eine kontinuierliche,
kritische Überprüfung der wissenschaftlichen Grundlagen medizinischen
Handelns, Lehrens und Forschens mit dem Ziel, die Basis der aktuell besten wissenschaftlichen
Erkenntnisse zu nutzen und Ansätze für notwendige neue Forschungsvorhaben
zu erarbeiten.
EBM wird als Antipode zu "opinion-based-medicine" verwendet. Opinion-based-medicine
bezeichnet die Übernahme von Autoritätsmeinungen. Die Autoren der
EBM, britische und auch kanadische Kliniker und Epidemiologen um David Sackett,
verweisen für die philosophische Konzeption des Begriffs evidence-based-medicine
auf aufklärerisches Gedankengut im Paris des 19. Jahrhunderts. Die Methode
erlaubt eine klare Strukturierung und Evaluation vorhandenen Wissens und regt
zur Forschung in Gebieten mit bisher mangelhaften Erkenntnissen an.
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Evidence-based-medicine |
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C. K. Lackner, M. W. Reith, R. Kerkmann, K. Peter:
Leitlinien in der Notfallmedizin. Eine kritische Übersicht zum Status Quo.
Notfall&Rettungsmedizin 1998; 1: 314
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Zusammenfassung:
Vor dem Hintergrund knapper Ressourcen muß sich auch die Notfallmedizin
heute verstärkt Maßnahmen zur Sicherung und Verbesserung ihrer Struktur-,
Prozeß- und Ergebnisqualität unterziehen. Während Leitlinien
vor allem in den USA, Großbritannien und Kanada bereits seit vielen Jahren
ihren festen Platz in medizinischen Diagnose- und Therapieabläufen innehaben,
sind sie in Deutschland erst in letzter Zeit als wichtiges Instrument des "total
quality managements" (TQM) in der Medizin erkannt worden. Nach der initialen
Leitlinieneuphorie in Deutschland wird ihr inflationäres Wachstum mittlerweise
auch sehr kritisch diskutiert. Mangelnde Qualität, gemessen an internationalen
Standards sowie Unklarheit über die juristische Verbindlichkeit von Leitlinien
gefährden ihre Akzeptanz und die effektive Umsetzung. Strukturierte Handlungsanweisungen
kommen im Bereich der prähospitalen Notfallmedizin seit vielen Jahren in
Form von "guidelines" oder Algorithmen zur Anwendung. Trotz einer
Vielzahl von Einzelinitiativen konnte sich jedoch im Bereich präklinischer
Medizin immer noch kein flächendeckendes Konzept zum Qualitätsmanagement
durchsetzen. Leitlinien bieten gerade in der Notfallmedizin Chancen zur Verbesserung
der präklinischen Versorgung: Durch strukturiertere Handlungsabläufe
kann beispielsweise die Zusammenarbeit zwischen ärztlichem und nicht-ärztlichen
Rettungsdienstpersonal deutlich verbessert werden. Die (not)ärztliche Therapiefreiheit
und der Raum für inviduelle Entscheidungskorridore darf dadurch aber nicht
geschmälert werden. Deshalb sollte gerade auch im sensiblen präklinischen
Bereich bei der Entwicklung von Leitlinien mehr auf Qualität als auf Quantität
gesetzt werden, um wissenschaftlich fundierte, auf einem hohen Grad von Evidenz
basierende Leitlinien zu entwickeln, sie strengen Clearingkriterien zu unterziehen
und sie bei Bedarf an neueste Erkenntnisse anzupassen.
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Leitlinien in der Notfallmedizin |
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